Warnung: Darum sind Kontaktlinsen über Nacht gefährlich für Ihre Augen
Nov 28,2025 | de.myeyebb
Wussten Sie, dass etwa ein Drittel aller Träger von Kontaktlinsen über Nacht tragen und mit ihnen einschlafen? Obwohl es verlockend sein mag, den Schritt des Entfernens vor dem Schlafengehen zu überspringen, erhöht das Schlafen mit Kontaktlinsen das Risiko für Augeninfektionen um das Sechs- bis Achtfache. Tatsächlich ist es nicht ohne Grund, dass die meisten Tageslinsen nicht für eine längere Tragezeit zugelassen sind.
Wenn Sie sich fragen, ob man Kontaktlinsen über Nacht tragen kann, ist die Antwort eindeutig: Es wird dringend davon abgeraten. Die Folgen des Tragens von Kontaktlinsen über Nacht können von leichten Beschwerden wie Rötungen und trockenem Auge bis hin zu ernsteren Problemen wie Keratitis reichen. Sogar mit den verbesserten Materialien heutiger weicher Kontaktlinsen benötigen Ihre Augen dennoch ausreichend Sauerstoff. Besonders bei farbigen Kontaktlinsen ist Vorsicht geboten - etwa 18 bis 20 von 10.000 Menschen, die mit Kontaktlinsen schlafen, entwickeln eine bakterielle Keratitis.
In diesem Artikel erfahren Sie, warum das Tragen von Kontaktlinsen während des Schlafens so gefährlich ist, welche Linsentypen besonders riskant sind und was Sie tun sollten, falls Sie doch einmal mit Ihren Linsen eingeschlafen sind.
Warum Schlafen mit Kontaktlinsen gefährlich ist
Das Tragen von Kontaktlinsen während des Schlafes stellt einen erheblichen Eingriff in die natürliche Physiologie der Augen dar. Mehrere wissenschaftliche Studien zeigen, dass das Risiko für Hornhautentzündungen durch nächtliches Kontaktlinsentragen um das Sechs- bis Achtfache steigt. Doch was genau passiert mit Ihren Augen, wenn Sie mit eingesetzten Linsen schlafen?
Sauerstoffmangel und Hypoxie
Die Hornhaut Ihres Auges hat einen außergewöhnlich hohen Sauerstoffbedarf. Während des Schlafens ist die Sauerstoffversorgung bereits durch die geschlossenen Lider reduziert – ein Zustand, der schon ohne Kontaktlinsen zu einer Dickenzunahme der Hornhaut von 3-4% führt. Kontaktlinsen bilden eine zusätzliche Barriere, die dieses Problem verschärft.
Bei Sauerstoffmangel kann die Hornhaut Glukose nicht mehr richtig abbauen. Stattdessen entstehen Milchsäuresalze (Laktate), die sich in der Hornhaut ablagern. Das Ergebnis: Ihre Hornhaut verdickt sich und wird trüb. In schweren Fällen versucht die Hornhaut, den Mangel durch Einwachsen kleiner Blutgefäße auszugleichen – ein Prozess, der langfristig Ihr Sehvermögen beeinträchtigen kann.
Vermehrte Keimbildung auf der Linse
Während Sie schlafen, verlangsamt sich die Tränenproduktion deutlich. Dadurch wird der natürliche Reinigungsmechanismus Ihrer Augen ausgebremst. Kontaktlinsen können in diesem Zustand zu einer Art Keimbrutstätte werden.
Besonders weiche Kontaktlinsen sind problematisch, da bei ihnen praktisch kein Tränenaustausch stattfindet (nur etwa 1% im Vergleich zu 15-20% bei formstabilen Linsen). Bakterien wie Pseudomonas aeruginosa, aber auch seltenere Erreger wie Amöben und Pilze können sich unter der Linse vermehren. Aufgrund der reduzierten Tränenflüssigkeit fehlt außerdem die antibakterielle Wirkung der darin enthaltenen Enzyme.
Reduzierte Regeneration der Hornhaut
Ihre Hornhaut braucht Erholungsphasen, um sich zu regenerieren. Wenn Sie mit Kontaktlinsen schlafen, wird dieser natürliche Prozess gestört. Die Linsen reiben nachts stärker an der Hornhaut und können Mikroläsionen verursachen.
Beunruhigend ist, dass bereits ein kurzer Nickerchen mit eingesetzten Linsen das Infektionsrisiko erhöhen kann. Bei längerem Tragen können dauerhafte Schäden am Hornhautendothel entstehen – einer Zellschicht, die sich nicht regenerieren kann. Bei langjährigen Kontaktlinsenträgern sinkt die Endothelzellzahl oft unter den Normwert von 2000-3000/mm³.
Mit Kontaktlinsen zu schlafen ist daher keine Frage der Bequemlichkeit, sondern ein ernstes Gesundheitsrisiko, das Sie unbedingt vermeiden sollten.
Welche Kontaktlinsen besonders riskant sind
Nicht alle Kontaktlinsen stellen das gleiche Risiko dar, wenn Sie mit ihnen schlafen. Bestimmte Typen sind besonders gefährlich und können Ihren Augen schweren Schaden zufügen.
Weiche Kontaktlinsen über Nacht tragen – ein Risiko
Weiche Kontaktlinsen sind nachts besonders problematisch, da bei ihnen praktisch kein Tränenaustausch stattfindet – nur etwa 1% im Vergleich zu 15-20% bei formstabilen Linsen. Dies führt zu einer deutlichen Sauerstoffunterversorgung der Hornhaut. Je länger Sie weiche Kontaktlinsen tragen, desto höher steigt das Risiko für Komplikationen. Dieses Risiko erhöht sich nochmals drastisch, wenn Sie mit den Linsen schlafen.
Laut australischen Wissenschaftlern haben Menschen, die mit Kontaktlinsen schlafen, ein 6,5-mal höheres Risiko, an einer Hornhautentzündung zu erkranken. Besonders bei Hydrogel-Linsen können Ihre Augenlider morgens verklebt, gerötet und brennend sein.
Farbige Kontaktlinsen und Cosplay-Linsen
Farbige und Cosplay-Linsen stellen ein besonderes Risiko dar. "Durch den Farbprint auf der Linse kommt viel zu wenig Sauerstoff ans Auge", warnt Sven Krombholz, Augenoptiker. Diese Linsen werden oft online bestellt, sind nicht medizinisch geprüft und werden nicht an das Auge angepasst.
Besonders gefährlich sind sogenannte Circle- oder Anime-Linsen, die nicht nur die Iris, sondern auch Teile der Hornhaut bedecken. Dies verhindert die Sauerstoffversorgung des Auges. Bei falscher Auswahl und Handhabung können diese Linsen ernsthafte Komplikationen verursachen. Mehrere Arten von nicht verschreibungspflichtigen Kontaktlinsen wurden positiv auf Chlor und andere schädliche Chemikalien getestet.
Kontaktlinsen, die man über Nacht tragen kann – gibt es sie?
Ja, allerdings unter strengen Bedingungen. Sogenannte Tag- und Nachtlinsen (auch Dauerlinsen genannt) bestehen aus hochsauerstoffdurchlässigem Silikon-Hydrogel und ermöglichen auch empfindlichen Augen genug Sauerstoffzufuhr im Schlaf. Diese Linsen können mehrere Tage am Stück, auch nachts, getragen werden.
Daneben gibt es spezielle Orthokeratologie-Linsen (Nachtlinsen), die gezielt nachts getragen werden. Sie üben einen leichten Druck auf die Hornhaut aus und korrigieren im Schlaf deren Form. Der Effekt hält zwischen ein bis drei Tage. Trotz ihrer Zulassung für die Nachtanwendung sollten sie nicht länger als 8 Stunden getragen werden, da sonst ein gesundheitliches Risiko besteht.
Wichtig: Wer unter empfindlichen oder trockenen Augen leidet, sollte grundsätzlich vor dem Schlafengehen die Kontaktlinsen herausnehmen – selbst spezielle Tag- und Nachtlinsen.
Mögliche Folgen für Ihre Augen
Die gesundheitlichen Konsequenzen des Schlafens mit Kontaktlinsen können gravierend sein. Von temporären Beschwerden bis hin zu dauerhaften Schädigungen – die Risiken sind vielfältig.
Rötung, Trockenheit und verschwommenes Sehen
Wenn Sie mit Kontaktlinsen einschlafen, werden Sie möglicherweise mit geröteten, brennenden Augen aufwachen. Diese Reizungen entstehen durch die verringerte Sauerstoffversorgung der Hornhaut. Zudem kann längeres Tragen von Kontaktlinsen zu erheblicher Trockenheit und einem unangenehmen Fremdkörpergefühl führen. Besonders alarmierend ist die Beeinträchtigung Ihrer Sehkraft – viele Betroffene berichten über verschwommenes oder verzerrtes Sehen am Morgen danach.
Keratitis und Hornhautgeschwüre
Besonders beunruhigend ist das erhöhte Risiko für eine Hornhautentzündung (Keratitis). Kontaktlinsenträger haben ein 80-mal höheres Risiko für eine mikrobielle Keratitis als Menschen ohne Kontaktlinsen. Die Symptome sind deutlich: starke Augenschmerzen, ausgeprägte Rötungen, Lichtempfindlichkeit und verminderte Sehschärfe. Unbehandelt kann sich ein Hornhautgeschwür (Hornhaut-Ulkus) entwickeln oder eine Entzündung des gesamten Augeninneren (Endophthalmitis) entstehen.
Langfristige Schäden und Sehverlust
Im schlimmsten Fall drohen irreversible Schäden. Bei anhaltender Sauerstoffunterversorgung bilden sich kleine Blutgefäße in der Hornhaut, die eigentlich völlig durchsichtig und frei von Gefäßen sein sollte. Diese Gefäße bilden sich nie wieder vollständig zurück. Nach einer schweren bakteriellen Keratitis kommt es bei etwa 11-14% der Betroffenen zu einer dauerhaften Visusminderung. Bei einer Infektion mit Akanthamöben wird sogar bei mindestens 20% der Betroffenen eine Hornhauttransplantation notwendig. Ohne rechtzeitige ärztliche Behandlung kann es in manchen Fällen zum vollständigen Verlust des Sehvermögens kommen.
Angesichts dieser möglichen Folgen sollten Sie niemals das Risiko eingehen, mit Kontaktlinsen einzuschlafen – selbst wenn es sich nur um ein kurzes Nickerchen handelt.
Was tun, wenn Sie mit Kontaktlinsen eingeschlafen sind?
Es ist passiert – Sie sind mit Ihren Kontaktlinsen eingeschlafen. Keine Panik! Mit den richtigen Schritten können Sie mögliche Schäden begrenzen.
Linsen sofort entfernen und Augen ruhen lassen
Entfernen Sie die Linsen niemals gewaltsam! Blinzeln Sie zunächst mehrmals, um die natürliche Tränenproduktion anzuregen. Dadurch werden ausgetrocknete Linsen wieder weicher und lassen sich leichter entfernen. Falls dies nicht ausreicht, warten Sie einige Minuten, bevor Sie einen erneuten Versuch unternehmen.
Nach dem Entfernen sollten Ihre Augen eine Pause bekommen. Tragen Sie idealerweise am selben Tag keine Kontaktlinsen mehr und greifen Sie stattdessen zur Brille. Diese Erholungszeit ist entscheidend, damit sich Ihre Hornhaut regenerieren kann.
Augen mit Tropfen befeuchten
Verwenden Sie spezielle Benetzungstropfen für Kontaktlinsenträger, um die Augen zu befeuchten und Beschwerden zu lindern. Bei weichen Kontaktlinsen können Sie auch sterile Kochsalzlösung oder künstliche Tränen verwenden. Diese Tropfen reduzieren die Trockenheit und erleichtern das Entfernen der Linsen.
Wann Sie einen Augenarzt aufsuchen sollten
Suchen Sie umgehend einen Augenarzt auf, wenn folgende Symptome anhalten:
- Anhaltende Rötungen oder Schmerzen
- Verschwommenes Sehen auch nach Entfernen der Linsen
- Lichtempfindlichkeit
- Fremdkörpergefühl, das nicht verschwindet
Selbst wenn die Beschwerden zunächst mild erscheinen, können sie Anzeichen einer beginnenden Infektion sein. Je früher eine Behandlung beginnt, desto besser sind die Heilungschancen.
Fazit
Die Gefahren des Tragens von Kontaktlinsen über Nacht können also nicht deutlich genug betont werden. Sauerstoffmangel, erhöhte Keimbildung und gestörte Hornhautregeneration stellen ernsthafte Risiken dar, die Ihre Augengesundheit langfristig beeinträchtigen können. Besonders weiche und farbige Kontaktlinsen erhöhen dieses Risiko noch weiter.
Tatsächlich lohnt sich die vermeintliche Bequemlichkeit, mit eingesetzten Linsen einzuschlafen, niemals angesichts der möglichen Folgen. Rötungen, Trockenheit und verschwommenes Sehen sind dabei nur die ersten Warnsignale. Schwerwiegendere Komplikationen wie Keratitis oder Hornhautgeschwüre können dauerhafte Sehschäden hinterlassen.
Falls Sie dennoch versehentlich mit Ihren Kontaktlinsen einschlafen, sollten Sie unverzüglich handeln. Entfernen Sie die Linsen vorsichtig, befeuchten Sie Ihre Augen mit geeigneten Tropfen und gönnen Sie ihnen eine Ruhepause. Bei anhaltenden Beschwerden zögern Sie nicht, einen Augenarzt aufzusuchen.
Ihre Augen gehören zu Ihren wertvollsten Sinnesorganen. Darum sollte deren Schutz stets Vorrang vor Bequemlichkeit haben. Nehmen Sie sich die wenigen Sekunden Zeit, um Ihre Kontaktlinsen vor dem Schlafengehen zu entfernen – Ihre Augengesundheit wird es Ihnen danken.